Diese Werkstatt-Story zeigt, wie eine durchgebrannte Glühlampe die komplette Elektrik eines Jaguar E-Type lahmlegen kann. Ursache für die Elektrik-Probleme war in diesem Fall ein Problem mit dem Erregerstrom. Doch was hat die Kontrolleuchte damit zu tun?

Man sagt englischen Fahrzeugen ja zu Recht eine eigenwillige Qualität bei Verkabelungen zu. Und in der Tat: Wer einen Jaguar E-Type besitzt, kann sich die fünf Euro an der Kasse des Gruselkabinetts am Jahrmarkt sparen und einfach den Sicherungskasten hinter der Instrumententafel freilegen – die ist nichts für schwache Nerven! 

Der Ruf der hemdsärmeligen Elektrik eilt englischen Oldtimern meist zu Recht voraus, ist sie doch in vielen Klassikern eine bekannte Quelle für häufige Defekte. Einen besonders kuriosen Fehler hatte neulich eben dieser braune V12 der Serie III. Der Wagen nahm während einer sonntäglichen Ausfahrt plötzlich kein Gas mehr an und blieb schließlich stehen.

Die erste Diagnose nach Startversuch: Leere Batterie. Doch wieso? Generator, Regler und der Akku selbst waren erst vor kurzer Zeit erneuert worden. Nach dem Einschleppen durch den ADAC wird es also Zeit für den LexiCar-Elektro-Detektiv.

Diagnose in der Werkstatt

Während es draußen Bindfäden regnet bugsieren wir den englischen Veteranen in die Werkstatt und lassen die gewalte Haube nach vorne schwingen. Als erstes gilt es, die Behauptung des Voltmeters zu verifizieren, der anzeigt, dass die Batterie nicht geladen wird.

Dazu nehmen wir den satten Zwölfzylinder in Betrieb und messen bei laufendem Motor den Ladestrom an der Batterie. Ergebnis: Das Multimeter zeigt nur müde 11 Volt Batteriespannung.

Da die Lichtmaschine erst vor wenigen Tagen komplett erneuert wurde, scheint ein Defekt hier aber abwegig. Deshalb prüfen wir im nächsten Schritt den Erregerstrom an der Lichtmaschine – denn ohne dieses wichtige Signal läd der Generator nicht (s. Pfeil).

Was ist ein Erregerstrom?

Damit der Regler an der Lichtmaschine ein Magnetfeld im Rotor aufbauen kann, benötigt er beim Start des Motors einen Erregerstrom. Kurz gesagt, ohne diesen Stromkreis zwischen Zündschloss und Batterie dreht sich der Rotor dauerhaft unmagnetisiert im Stator und liefert keine Spannung. Läd die Lichtmaschine aber erst einmal, braucht sie diesen Impuls nicht mehr, da sich der Regler dann selbst erregen kann.

Siehe da, beim Nachmessen stellt sich heraus: Die Erregerleitung ist tot – wir befinden uns auf der richtigen Spur. Jetzt gilt es herauszufinden, weshalb die Leitung keine Spannung hat.

Die Ursache – Eine defekte Kontrolleuchte

Als wir den Motor zwecks Messen des Stroms starten fällt uns ein verdächtiges Detail ins Auge: Das rote Lämpchen („Ignition“) für die Zündung leuchtet nicht, wenn der Schlüssel auf die Zündposition gedreht wird.

Wir entnehmen deshalb die Fassung und sehen uns den Glühdraht aus der Nähe an: Die Birne ist schwarz und eine Messung mit dem Multimeter bestätigt: Kaputt.

Die Lösung des Rätsels

Das Zündungslämpchen zieht sich seine „Masse“ aus dem Generator, solange der Motor aus ist und die Lichtmaschine stillsteht. Nun leuchtet das Lämpchen auf, wenn es durch das Zündschloss in der Zündstellung Batteriespannung bekommt (Klemme 15). Kommt der Motor beim Start in Gang, fängt die Lichtmaschine an, Strom zu produzieren. In diesem Moment fällt die Masse weg (+ auf +) und die Kontrollleuchte erlischt.

Dies ermöglicht es, während der Fahrt zu kontrollieren, ob die Lichtmaschine die Batterie läd. Denn wenn der Generator keinen Strom mehr produziert, wird er wieder Masse. Dadurch ist der Stromkreis geschlossen und das Lämpchen leuchtet.

Kein Erregerstrom beim Starten

Der gegenteilige Effekt wurde diesem Exemplar jetzt allerdings zum Verhängnis: Wenn das Lämpchen selbst durchgebrannt ist bekommt die Lichtmaschine beim nächsten Startvorgang keinen Erregerstrom mehr und läd deshalb die Batterie nicht mehr auf. So fährt der Jaguar dann, bis der Batteriestrom nicht mehr für einen Zündfunken ausreicht – der Wagen bleibt stehen.

Interessanter Neben-Effekt: Geht die Birne während der Fahrt kaputt ist dies kein Problem, da sich der Generator während der Fahrt selbst erregt. Der Effekt wird erst sichtbar, nachdem der Motor mit der defekten Kontrollleuchte abgestellt wurde.

Wir testen unsere Theorie mit einem frischen Lämpchen – und siehe da: Beim Drehen des Schlüssels leuchtet die Kontrolleuchte wieder auf. Ein gutes Zeichen.

Anschließend folgt eine Messung an der Batterie. Per Hand erhöhen wir die Drehzahl ein wenig. Siehe da: Die Lichtmaschine liefert wieder deutlich mehr als 13 Volt und die Raubkatze kann wieder auf Kurven-Jagd gehen..

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